in memoriam trudi weber

letzte woche ist meine omi trudi weber gestorben, eine woche vor ihrem 92ten geburtstag.

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es gibt zum tod nie viel zu sagen, jeder der schon einmal eine geliebte person verloren hat, weiß das. es geht auch nicht darum nun mit viel brimborium eine beerdigung oder irgendetwas zu veranstalten – da gewesen sein sollten die menschen in den letzten zwei jahren, in denen es meiner omi zusehends schwerer fiel die wohnung zu verlassen.

für mich geht es um die stille erinnerung und dazu will ich etwas schreiben.

meine omi war der besonnenste und liebevollste mensch, den ich kenne – nicht einmal meine besonnene freundin elina kommt da ran ;-)
ich habe immer versucht aus meiner omi rauszulocken woher sie dieses vertrauen in das leben, die zeit und die menschen nimmt, denn auch in schwierigsten zeiten war sie immer ein ruhender pol in all dem rauschen.

irgendwann sagte sie einmal: “maidele – wennde erscht emol 60 bisch, dann fangt’s eifach aa, dass de alles schonemol gseh hesch.” aber das kann nicht alles sein, denn ich kennen nun inzwischen ein paar mehr menschen, die über 60 sind und schon viel gesehen haben aber dennoch diese ruhe nicht unbedingt ausstrahlen ;-) . auch hatte sie diese ruhe schon in sich, seit ich mich an sie erinnere und da meine ersten erinnerungen bis in mein 2tes lebensjahr zurückreichen, sind das nun schon 38 jahre und damals war sie anfang 50.

aber gesehen hat sie sicher viel – geboren 1918 an ende des ersten weltkriegs – die ersten jahre in der nachkriegszeit – groß geworden in der weimarer republik – die jugend im dritten reich – die junge ehe kurz vor dem zweiten weltkrieg – der zweite weltkrieg und wieder eine nachkriegszeit – der mann in der wehrmacht und viele jahre in französischer und russischer gefangenschaft – die alleinverantwortung für die drei kinder in so vielen jahren – die wirtschaftswunderjahre – sieben enkel – der frühe tod ihres mannes (meines opis) – der sehr sehr frühe tod ihres schwiegersohns, meines vaters, den sie mit vollem einsatz getragen hat – sechs urenkel, einer davon (mein sohn marlo) schon 21 und der tod ihres sohnes jürgen. rauf und runter und in der mitte meine liebe omi.

ich weiß, dass man nach dem tod anfängt geliebte menschen zu glorifizieren aber in diesem falle wird das kaum möglich sein, denn ich kann “miini omi” auch nach ihrem tod nicht mehr glorifizieren, als ich es schon vorher getan habe und ich bin froh, dass ich ihr zu lebzeiten so oft gesagt habe, wie sehr ich sie liebe.

ich bin dankbar, dass trudi weber meine omi war und ich bin mir sicher, dass sie mir, meinen brüdern, meiner mutter und ihrem bruder, meinem sohn und allen verwandten und bekannten, die sie kennen und lieben lernen durften, sehr sehr oft in gedanken erscheinen wird und ihre augenbrauen zu den berüchtigten “wageräädle” hochzieht (ende des ersten films siehe unten), linzer oder waie backt (hier übrigens ihr originales waie rezept in der alemannischen wikipedia), bügelt (zweiter film siehe unten) oder sich wie in jungen jahren jedes jahr einen neuen hut kauft (siehe foto unten).

1936 trudi mit hut

omi – doof, dass du nun weg bist – ich liebe dich.

eine enkelin die mal so werden will wie ihre omi.
gina

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