…denke ich mir ab und zu, allerdings selten sehr lange.
unlängst wiegte ich mich wieder einmal in dieser wohligen geborgenheit, als wir uns ende september in unserem bussli auf den weg zum höhlentauchkurs und anschließenden höhlentauchen ins lot (südfrankreich) begaben. alles war bestens geplant und vorbereitet – als geschulte weltenbummler liegen diverse fertige modulare equipmentlisten und karten stets bereit.
so ging es freitag morgens in hamburg nach einem perfekten frühstück, gut gelaunt und pünktlich aber ohne stress los. der lange ruhige fluß hatte unser bussli-floß in seine ruhige, geborgene mitte genommen und brachte uns… bis darmstadt. hier wurden wir abrupt während eines staus aus der mitte des ruhigen flusses – ZACK – auf die standspur gerissen.
ich dachte nur: “mein freund der spannstift!“. es gelang mir noch eben gerade von der linken spur mit dem allerletzten schwung des motors auf die standspur zu kommen. nochmals dachte ich: “der spannstift!“.
der spannstift ist ein kleiner ca. 3cm langer metallstift in der schaltkulisse, der die kraft vom schalthebel auf’s getriebe überträgt – ich kenne ihn gut – warum ist eine andere geschichte und soll ein anderes mal erzählt werden.
lange rede kurzer sinn, nach 45 minuten wurden wir von einem passionierten abschlepper mit beachtlicher hupe, besser horn, abgeschleppt. er vermochte es uns geschickt am stau vorbei zu mogeln.
dank unsrer vollvernetzen welt, laptop und handy, konnten wir noch vor dem abschleppen in erfahrung bringen, besser die weiter entfernte werkstatt anzusteuern, die für nutzfahrzeuge. denn wir hatten auf die schnelle recherchiert, das es dieser nicht nur generell möglich war unser bussli zu reparieren sondern auch, dass dort zwei der spannstifte vorrätig waren.
der abschlepper holte sich telefonisch die erlaubnis der versicherung und kurz darauf wurden wir in der werkstatt von herrn schmittner empfangen. dieser mann ist ein held und die werkstatt freitags bis 22:00 geöffnet.
es stellte sich heraus, dass es nicht der spannstift gewesen war, sondern die schelle nebenan und der wunderbare herr schmittner überreichte uns eine rechnung über 35.-, einen ersatzspannstift und ein schnurrendes bussli.
um 20:00 wähnten wir uns wieder in der mitte des langen ruhigen flusses, denn nachdem wir bei mulhouse auf die gepflegeten französischen autobahnen gewechselt, auf einer der folgenden raststätten ruhig im bussli genächtigt und morgens ein leckers frühstück zu uns genommen hatten, trieben wir gemütlich vor uns hin in richtung lot.
doch der schein trügte denn stromschnellen bei digoin, 450km vor unserem ziel, ließen den motor schlagartig während der fahrt verstummen und zeitgleich alle lampen schrill aufleuchten. auf der standspur zum stehen gekommen qualmte der motor mächtig und war nicht mehr zur funktion zu überreden.
das war nicht mein freund der spannstift, das hier war ein wirkliches problem. es war sofort zu erkennen an seiner grinsenden fratze mit der es mich fies auslachte.
die pannenhotline der huk kannte uns bereits, dieses mal wurden wir erst nach über einer stunde abgeschleppt. hier fängt die geschichte an eine odyssee zu werden, denn wer schon einmal in der urlaubszeit, am wochenende, in frankreich, auf dem land liegen gebleiben ist weiß, wie nahezu unmöglich es ist mit diesen voraussetzungen eine werkstatt oder gar einen mietwagen, geschweige denn einen kleintransporter oder ähnliches, zu organisieren. und ein kleintransporter war das, was wir für all unser tauchequipment brauchten.
das problem grinste mich nochmals fies an, zog mit der einen hand einen kalender heraus, zeigte auf den morgigen sonntag und den eintrag darin: “10:00 beginn höhlentauchkurs”. mit der anderen wedelte es mit einer überweisungsbestätigung auf der 3600.- für höhlentauchkurs geschrieben stand. ich sehnte mich nach meinem freund dem spannstift – das hätte ich kurz zuvor nicht für möglich gehalten.
während der wartezeit brauste fröhlich ein abschleppwagen mit wohnwagen gebuckelt an uns vorbei und begrüßte uns hupend. später stellte sich heraus, dass dieser abschlepper auch uns abschleppen würde und der wohnwagen ein holländischer war, dem kurz zuvor während der fahrt ein rad von der achse gefallen war?!?
die nächsten zweieinhalb stunden liefen unter dem motto “spiel ohne grenzen“, die aufgabenstellung war: kommuniziere auf französisch mit der werkstatt, auf deutsch mit der versicherung, finde eine autovermietung die einen kleintransporter o.ä. zur verfügung hat und schaffe es aus diesem kuhkaff irgendwie ohne auto zur autovermietung in 80km entfernung und das vor 18:00, denn ab dann ist alles geschlossen.
an dieser stelle nun einen frohlockenden dank an die holländer mit ihrer ruhe, stahlseilartigen nerven, flexibilität und packkunst. denn nachdem das holländische päarchen sich entschieden hatte den oben genannten verunfallten wohnwagen zurück zu lassen, alles tetrisartig in ihren pkw gepuzzelt hatte, 15 minunten auf klärung unsererseits mit der versicherung gewartet hatte und einen sitzplatz für mich zwischen cafémaschine und aschenbecher übrig behalten hatte, schaffte ich es dank dieser menschen um 17:50 bei der autovermietung zu sein.
knapp drei stunden später war ich zurück bei rainer, der bei der werkstatt und dem bussli gebleiben war und wir packten all unser tauchgeraffel in den renault kangoo – 1000 dank an herrn radloff von der huk, der die wundertat der kangoofindung ermöglicht hatte!
gegen 20:00 fuhren wir mit bleifuß los richtung lot, wo wir kurz vor ein uhr nachts ankamen.
am nächsten tag um 10:00 ging der höhlentauchkurs los und wenn dies hier nicht die geschichte drum herum wäre, wäre es die geschichte des kurses. dem ist aber nicht so und so soll diese andere geschichte an einer anderen stelle erzählt werden. einzig wichtig ist, dass es von anfang an klar war, dass die nächste woche des kurses sicher kein langer ruhiger fluß werden würde – wer das erwartet, ist bei einem gue cave1 fehl am platze.
die zusätzliche belastung durch die ausufernde, durch immensen overhead gekennzeichnete, bis spät in die nacht andauernde kommunikation mit der werkstatt und der versicherung brachte mich an den rande meiner leistungsfähigkeit, das ist in meinem leben selten zu beobachten. hier ein ganz besonderer dank an martin & simon von der moulin de lantouy, die uns mit ihrem französischen kommunikationskönnen die sache unglaublich erleichtert haben.
wir entschieden uns den motor, tauschen zu lassen – es kam später dann noch unerwarteterweise die kupplung (!) dazu – den kangoo zwei wochen zu behalten und uns irgendwo nach dem kurs für eine woche einzuquartieren um die höhlen des lot, der célé und der dordogne zu betauchen.
es war eine wirklich tolle zeit, die in der nacht zum donnerstag für rainer mit fiebrigen kaltverschwitzten blasenschmerzen endete.
der nächste tag war vom zurücklegen kurvenreicher langer strecken und arzt- und apothekenbesuchen bestimmt. aber auch dies ist eine andere geschichte und soll ein anderes mal erzählt werden. hier nochmals einen wirklich tiefen, warmen und herzlichen dank an martin & simon, die uns nicht nur einen arzt gesucht hatten, sondern uns dort auch einen der raren termine besorgen konnten.
mit nur noch erhöhter temperatur rainerseits machten wir uns am samstag morgen auf den rückweg ins 450km entfernte digoin um das fertig reparierte bussli abzuholen, umzupacken, mit beiden autos ins 80km entfernte chalon-sur-saône zu fahren, den mietwagen zurück zu geben und uns dann auf die letzte etappe unseres heimwegs zurück nach hamburg zu begeben.
hier wäre nun der PERFEKTE ZEITPUNKT gewesen endlich wieder aus dem gewerbekanal mit all seinen turbinen und turbulenzen in den langen ruhigen fluß einzumünden, was wir auch vermeintlich taten. allerdings nur ca. 10 minuten bis ca. 10km hinter digoin, denn dort kochte der frisch getauschte motor – der zusammen mit dem motor getauschte kühler war defekt. ironischerweise kamen wir genau gegenüber der stelle zum stehen, an der uns das fiese problem auf dem hinweg angegrinst hatte.
es gibt wirklich wenige situationen, die mich nachhaltig irritieren und meine gute laune somit nachhaltig trüben, aber dies hier war nun eine.
ok, notwendigstes zusammenpacken, bussli stehen lassen, werkstatt informieren, mit dem mietwagen zur werkstatt fahren, mit dem mechaniker zum bussli kommen, erste fehleranalyse, bussli abschleppen lassen, mit dem mietwagen 80km bis chalon-sur-saône fahren um den mietwagen rechtzeitig abzugeben und unterwegs die huk hotline konsultieren.
nachdem der mietwagen von der netten dame bei europcar entgegen genommen worden war, traten ungereimtheiten bezüglich der kostenübernahme durch die versicherung auf und als nun die dame bei der huk pannenhilfe mir mitteilte, dass sie keinen plan von gar nichts hatte – nachdem ich mir zwei wochen bei diversen sachbearbeitern der huk unter angabe des aktenzeichens den mund fusslig geredet hatte, war der letzte klägliche rest meiner sonst scheins grenzenlosen guten laune aufgebraucht und die dame am anderen ende der leitung verstummte im sturm meiner wortgewalt.
danach wurde uns herr iskandar zugewiesen, ein ausgesprochen ruhiger, kompetenter und intelligenter mann, der uns zwar noch 1,5 stunden vor der geschlossenen autovermietung parkierte (das waren genau zwei serienlängen auf dem laptop), dann aber ein taxi und ein hotel in chalon-sur-saône organisierte und sich von da an vorbildlich um die lösung der situation und die kommunikation mit der werkstatt kümmerte.
den folgenden sonntag und montag bummelten wir durch das beschauliche städtchen der bourgogne und harrten der dinge die da kommen, denn es war nicht klar ob der kühler rechtzeitig fertig werden würde oder wir auf plan b zurückfallen würden und wir per flieger und unser bussli per sammeltransport nach hamburg zurück transportiert werden würde.
am dienstag morgen um 12:00 bezogen wir wieder unser bussli mit dem vorsatz nun endlich unsere odyssee zu beenden.
jetzt gerade, als ich diese zeilen per stift zu papier bringe, haben wir die ersten 200km hinter uns gebracht, sind kurz vor der deutschen grenze und gerade eben auf der autobahn vom französischen zoll angehalten und auf drogen gefilzt worden. also wenn ich welche hätte, könnte ich die jetzt vielleicht sogar gut gebrauchen…
es liegen noch ca. 800km vor uns und weder die temperatur des busslis noch die von rainer rutscht in den roten bereich.wir hoffen, dass dies so bleiben wird und denken, dass wir uns für die nächsten 10 jahre einen platz in der mitte des langen ruhigen flusses verdient haben.
aloha gina
p.s. kommentare willkommen!
update: heute morgen sind wir wohlbehalten unter unseren kuschligen hamburger bettdecken aufgewacht.
